Der Rüstungsboom ist real, aber er verteilt sich nicht gleichmäßig. Aktuelle Erhebungen zeigen: Der Verteidigungssektor ist im deutschen Mittelstand angekommen. Viele Betriebe stehen jedoch noch am Rand. Wer die Chancen und Anforderungen richtig einordnen will, braucht die richtigen Zahlen. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn hat rund 1.370 Betriebe befragt (April 2026): Derzeit sind 6,8 Prozent des verarbeitenden Gewerbes aktiv im Verteidigungssektor. Die DIHK-Konjunkturumfrage kommt auf 17 Prozent, wenn die gesamte Wertschöpfungskette einbezogen wird. Entscheidend ist die Größenlücke: Kleinstbetriebe unter zehn Beschäftigten sind nur zu 4,5 Prozent dabei, Unternehmen ab 250 Mitarbeitern zu 13,2 Prozent.
Das ungenutzte Potenzial ist beträchtlich: 40 Prozent der noch nicht aktiven Betriebe können sich laut IfM einen Einstieg vorstellen. Wer bereits im Sektor tätig ist, blickt deutlich optimistischer auf die Zukunft als der Rest der Industrie. Die DIHK misst für verteidigungsnahe Betriebe einen Geschäftserwartungs-Saldo von +11 Punkten (Differenz aus Anteil Optimisten und Anteil Pessimisten unter den Befragten) gegenüber -9 Punkten im Rest der Industrie. Diese Lücke von 20 Punkten ist kein Zufall, sondern Ausdruck strukturell gesicherter Nachfrage.
Mehr als die Hälfte der interessierten, aber noch nicht aktiven Betriebe nennt fehlende Netzwerke im Beschaffungsumfeld sowie Sicherheitszertifizierungen und Regulierungsanforderungen als zentrale Barrieren. Das seit Februar 2026 geltende Beschaffungsbeschleunigungsgesetz (BwBBG) verändert den Marktzugang: Es beschleunigt Vergabeverfahren und schreibt die vorrangige Berücksichtigung mittelständischer Interessen fest. Zugleich steigen die Anforderungen an EU-Verankerung und Lieferkettentransparenz. Das Zeitfenster ist absehbar, denn einzelne Regelungen laufen bereits Ende 2030 aus. Für Unternehmer, die an einen Verkauf oder die Nachfolge denken, ist die Sektor-Perspektive zunehmend wertrelevant. Strategische Käufer und Finanzinvestoren suchen gezielt nach Zulieferern mit verteidigungsnaher Technologie, stabiler Marktstellung und belastbaren Lieferketten. Eine entsprechende Ausrichtung kann den Unternehmenswert erheblich steigern. Datasite erwartet für 2026 ein Rekordjahr bei europäischen Defense-Deals.
Die Entwicklung im Verteidigungssektor ist für uns nicht nur eine Marktbeobachtung, sondern ein Thema, das wir aus eigenem unternehmerischen Erleben und langjähriger Tätigkeit in industriellen und sicherheitsrelevanten Umfeldern sehr gut einordnen können. Nehmen Sie daher gern jederzeit ganz unverbindlich und selbstverständlich völlig diskret Verbindung mit uns auf, wenn Sie sich hierzu vertieft austauschen möchten.

